Ernst Barlach. Facetten der Liebe im Edwin Scharff Museum

Event: Ernst Barlach. Facetten der Liebe in Edwin Scharff Museum / Kunstmuseum, Petrusplatz 4, 89231 Neu-Ulm on 15. Oktober 2026

Datum und Uhrzeit

15. Oktober 2026 15:10 Uhr

Künstler

Veranstaltungsort

Petrusplatz
Petruspl., 89231 Neu-Ulm, Germany

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Ernst Barlach und die vielgestaltige Sprache der Liebe

Das Edwin Scharff Museum in Neu-Ulm widmet Ernst Barlach eine eindringliche Sonderausstellung über eine der grundlegendsten menschlichen Erfahrungen: die Liebe. Vom 23. Mai bis zum 18. Oktober 2026 entfaltet sich ein facettenreiches Kunsterlebnis mit plastischen und grafischen Arbeiten des Bildhauers, Zeichners und Autors.

Zwischen Nähe, Sehnsucht und Mitgefühl

Ernst Barlach verstand Liebe weit über die Beziehung eines konventionellen Paares hinaus. Seine Kunst richtet den Blick auf Versuchung, Sehnsucht, bedingungslose Nächstenliebe, Mutterliebe und die Ambivalenz käuflicher Liebe. Die Ausstellung macht sichtbar, wie eng persönliche Erfahrung, gesellschaftliche Beobachtung und humanistische Haltung in seinem Werk miteinander verbunden sind.

Skulptur und Grafik als Ausdruck des Menschlichen

Barlachs künstlerische Sprache bewegt sich zwischen Realismus und Expressionismus. In seinen Holzplastiken, Bronzen, Zeichnungen und Druckgrafiken erscheinen Menschen als verletzliche, suchende und innerlich gespannte Figuren. Die reduzierte Formensprache verleiht den Körpern eine eindringliche Präsenz: schwere Volumen, konzentrierte Gesten und zurückgenommene Bewegungen eröffnen Räume für eine intensive Werkbetrachtung.

Ein besonderes Beispiel bildet die Lithografie Liebespaar aus den Jahren 1917/18. Die Darstellung einer Frau und eines Mannes verweist auf Nähe und gegenseitige Anlehnung, ohne das Verhältnis in eine eindeutige Erzählung aufzulösen. Gerade diese Offenheit gehört zur ästhetischen Erfahrung von Barlachs Kunst: Gefühle erscheinen nicht als dekorative Themen, sondern als existenzielle Kräfte.

Eine humanistische Position der Moderne

Barlach zählt zu den bedeutenden deutschen Künstlern der Moderne. Seine Werke spiegeln Einsamkeit, Sinnsuche, Zweifel und die Sehnsucht nach einer solidarischen Gemeinschaft. Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs schuf er zahlreiche Bildwerke der Trauer und Not sowie pazifistische Ehrenmale in Güstrow, Hamburg, Kiel und Magdeburg.

Die Ausstellung lädt dazu ein, Barlachs Kunstrichtung im historischen Kontext zu betrachten. Seine Empathie für den Menschen, seine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Umbrüchen und seine Verbindung von Bildhauerei, Zeichnung und Literatur verleihen seinem Werk bis heute Aktualität. Auch die nationalsozialistische Verfolgung seiner Kunst gehört zu dieser Geschichte: 1937 wurden hunderte Arbeiten aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt und Barlach mit einem Ausstellungsverbot belegt.

Ausstellungsatmosphäre und kulturelle Bildung

Im Kunstmuseum des Edwin Scharff Museums entsteht eine konzentrierte Atmosphäre für die ästhetische Erfahrung. Das Wechselspiel von plastischer Körperlichkeit und grafischer Linie eröffnet unterschiedliche Zugänge zu Barlachs Bildwelt. Besucherinnen und Besucher begegnen einer Kunst, die leise beginnt und lange nachwirkt.

Der Museumsbesuch verbindet kunsthistorische Einordnung mit persönlicher Entdeckung. Ein kostenfrei ausleihbarer Medienguide unterstützt die individuelle Werkbetrachtung. Das Museum liegt zentral in Neu-Ulm, in der Nähe des Bahnhofs und der Ulmer Innenstadt, und ist über barrierefreie Aufzüge erreichbar.

Fazit: Liebe als existenzielle Erfahrung erleben

Ernst Barlach. Facetten der Liebe zeigt einen Künstler, der menschliche Nähe, Verletzlichkeit und Verantwortung in eine unverwechselbare Formensprache übersetzte. Die Ausstellung im Edwin Scharff Museum verspricht ein konzentriertes Kunsterlebnis zwischen Skulptur, Grafik, Expressionismus und humanistischer Moderne. Wer Barlachs Werke live erlebt, entdeckt in ihren stillen Figuren eine überraschende emotionale Intensität und eine nachhaltige Einladung zur eigenen Reflexion.

Offizielle Kanäle von Ernst Barlach und dem Edwin Scharff Museum:

Quellen:

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